Brief eines Soldaten

Brief / Notiz · 392 Wörter · Soldier's Letter

Meine geliebte Bilyana,

ich hoffe, es geht dir gut. Ich bin wohlauf – wohlgenährt und leiste gute Arbeit im Namen unseres Fürsten. Sie haben uns kürzlich in ein anderes Lager versetzt. Ich werde dir nun öfter schreiben können, hoffe ich, denn hier passiert nichts. Und erst recht nichts auch nur annähernd so Seltsames wie das, was mir widerfahren ist, als ich in Parlita stationiert war.

Damals hielt ich auf der Straße einen reisenden Händler an, um sicherzugehen, dass er nicht zu diesen verfluchten Rebellen gehörte. Er war aber ein recht angenehmer Kerl und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir, dass er nördlich von Parlita, näher an den Bergen, eine einsam gelegene Hütte gesehen habe. Er selbst hatte sich nicht getraut, sich zu nähern, meinte aber, sie wäre ein idealer Ort für ein Versteck der Manumiten. Ich wollte mir die Sache selbst ansehen. Du kennst mich ja, immer in der Hoffnung auf eine Beförderung.

Es war allerdings kein Versteck der Manumiten. Es war … Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, es war eine Schmiede. Ich habe einen seltsam aussehenden Amboss und einige Hämmer gesehen. Ich kenne mich mit Schmieden aus, immerhin habe ich in meiner Jugend oft Onkel Gozav geholfen, aber die Metalle, die dort herumlagen, hatte ich noch nie zuvor gesehen. Sie glänzten ganz eigenartig. Und du wirst vielleicht lachen, aber ich schwöre bei Gott: Die ganze Zeit über hörte ich ein leises Geräusch, ein beständiges Klingen in meinen Ohren.

Gerade als ich eines der Erze berühren wollte, tauchte plötzlich eines dieser riesigen Uriash-Wesen direkt hinter mir auf. Es packte mich am Hals und schleuderte mich aus der Hütte. Ich war überzeugt, dass es mich töten würde, und betete schon meine letzten Worte. Doch stattdessen sagte es nur: „Weggehen. Sonst ich töten.“ Also rannte ich und erzählte meinem Hauptmann keine Silbe davon.

Ich weiß nicht, was für ein Uriash das war, aber ich glaube nicht, dass es normal war, sofern man diese Untiere überhaupt so bezeichnen kann. Bevor es mich hinauswarf, sah ich noch, dass seine Hörner fehlten. Es sah aus, als wären sie abgebrochen und die Stümpfe ausgebrannt worden.

Dennoch bist du die Einzige, der ich dies anvertraue, so, wie ich es dir bei unserer Vermählung versprach: Zwischen uns wird es niemals Geheimnisse geben.

Lass dir gesagt sein, dass ich dich mit ganzem Herzen liebe.

Für immer dein
Ignat

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