Die Regionen des Sangora-Tals mit ihren Gegner-Leveln und die Legenden, die man unterwegs aufschnappt.

Regionen

Laslea-Schlucht

Laslea, meine Heimat, war einst vor allem ein Bergbaudorf. Doch nachdem Brencis Fürst wurde, ließ er die Silberminen schließen. Seitdem sind wir Bauern und Viehzüchter. Unser Leben mag für manche friedlich und ruhig wirken, doch es ist Knochenarbeit, von früh bis spät und bei jedem Wetter. Wenn wir vor dem Winter nicht genug Vorräte haben, verhungern wir.

Dorngraben

Dorngraben liegt nicht weit von meinem Heimatdorf Laslea entfernt, aber ich gehe dort nur selten hin. Der Osten besteht größtenteils aus Sumpf, der mir schon immer eine Gänsehaut bereitet hat, besonders nachts. Der Westen hingegen ist voll mit Brencis’ Soldaten, die im Steinwacht-Posten stationiert sind, einem der größten Heerlager im Tal. Ich hatte nie wirklich einen Grund, dorthin zu gehen – außer, wenn ich auf dem Weg nach Svartrau war. Aber das könnte sich jetzt ändern …

Wälder von Maragir

Das Dorf Maragir liegt eingebettet in dichten, üppigen Wald. Manche der Dorfbewohner jagen dort Wild, jetzt, da Brencis es auch den Bauern erlaubt hat. Ansonsten sammeln sie Beeren und Pilze oder verdienen ihr Brot als Holzfäller. Und sie alle lieben ihren Bojaren Ambrus. Zumindest hört man das überall, sobald man in Maragir ankommt.

Hain der heiligen Tyna

Früher wurde das Kloster Sankt Tyna wie ein Uhrwerk geführt. Die Priorin dürfte sich wohl nie über einen Mangel an Novizinnen beklagt haben. Warst du die dritte Tochter ohne Mitgift oder ein ungehorsames Kind, das „etwas Zucht“ brauchte – dann war Sankt Tyna dein Bestimmungsort.

Und dann kam die Pest, und eine ganze Welle von Pilgern überschwemmte das Kloster. Manche baten die Heilige um Schutz, andere, die schon an Fieber litten, hofften auf ein Wunder. Die Schwestern arbeiteten bis zur Erschöpfung, pflegten die Kranken, Tag und Nacht … bis am Ende niemand mehr übrig war. Man sagt, alle Pilger seien gestorben, und die Nonnen mit ihnen. Das Kloster und der Wald ringsum wurden still. Doch nicht für lange …

Stadt Svartrau

Svartrau ist die Stadt im Zentrum des Sangora-Tals. Man sagt, alle Straßen führen nach Svartrau.

Früher war es eine reiche, lebendige Stadt, aber die letzten zwei Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Viele starben an der Pest, andere – vor allem Adlige – ließ Brencis nach seinem Umsturz hinrichten.

Der neue Fürst hat vielleicht der Seuche ein Ende bereitet, doch andere Probleme gibt es nach wie vor. Heute drängen sich die von der Pest Gezeichneten und die Waisen auf den Stufen der Kathedrale, in der Hoffnung auf eine warme Mahlzeit. Nach Einbruch der Dunkelheit kriechen sie zurück in die Schatten, während Vrakhiri und andere zwielichtige Gestalten die Straßen übernehmen. Trotz aller Bemühungen der Wachen ist Svartrau schon lange kein sicherer Ort mehr.

Andererseits ist Svartrau immer noch der lebendigste Ort im ganzen Tal. Die Stadt besteht aus vier Bezirken.

In Silberstein wohnen die reichen Händler und die wenigen Adligen, die rechtzeitig genug vor Brencis das Knie gebeugt haben, um am Leben zu bleiben.

In Altenmarkt verkaufen die Händler ihre Waren. Hier herrscht immer das größte Gedränge.

Die Gosse hingegen ist fast ausgestorben. Dort hat die Pest am schlimmsten gewütet, und heute treiben sich nur noch Bettler und zwielichtige Gestalten durch die Gassen.

Und dann ist da noch Neustadt, das relativ kleine jüdische Viertel. Die Gemeinde bleibt meist unter sich und bemüht sich, den Fürsten nicht zu verärgern. Sie verstehen besser als die meisten, wie unsicher das Leben hier inzwischen geworden ist.

Ebersrück

Die Region Ebersrück war einst vor allem für den Neuntöterbruch bekannt, bis Fürst Skender das Gebiet vor Jahren in ein Schlachtfeld verwandelte: Er ließ alle Bauern hinrichten, die sich gegen seine ungerechte Herrschaft auflehnten. Heute ist der Neuntöterbruch verlassen und die Leute machen einen weiten Bogen darum.

Zusammen mit den dichten Wäldern, die Ebersrück bedecken, macht das die Gegend zu einem idealen Ort, um unbemerkt zu bleiben. Man munkelt, die Manumiten hätten dort zahlreiche Verstecke.

Doch das Gebiet steht auch unter der Herrschaft des wahnsinnigen Bojaren Bakir – ein grausames, unberechenbares Monster.

Felssturz

Die Region Felssturz verdankt ihren Namen den Erdrutschen und Lawinen, deren Grollen häufig durch die Gipfel hallt. Sie sind zu häufig, um natürlichen Ursprungs zu sein, sagen manche. Es gibt Legenden von Bergriesen oder uralten Stätten voller unberechenbarer Magie, die diese Phänomene verursachen sollen. Doch nur wenige Menschen haben Felssturz je betreten und lebend wieder verlassen – und niemand kennt die Wahrheit.

Vielleicht wissen die Uriash, deren Dörfer irgendwo dort verborgen liegen sollen, mehr. Aber sie hüten die Geheimnisse ihres Volkes.

Schlicklande

Die Schlicklande gehören zum Lehen der Bojarin Xanthe. Es ist eine abgelegene Gegend, weit entfernt vom Herzen des Tals. Auch Bakir hat dort seinen Sitz. In seinem Herrenhaus richtet er die berüchtigten Mondturniere aus. Brencis schenkt diesem Teil des Tals selten Beachtung, vielleicht aus Nachlässigkeit, vielleicht mit Absicht. Und so können seine Bojaren in den Schlicklanden tun und lassen, was immer sie wollen.

Wälder von Tantari

Vor etwa einem Jahrhundert kam eine große Gruppe Tataren mit dem Heer der Mongolen, angeführt von Batu-Khan, in unsere Gegend. Einige von ihnen waren kriegsmüde und suchten nach einem Ort, um sich niederzulassen. Sie erreichten das Sangora-Tal und schworen dem Haus Dragosti die Treue. Im Gegenzug erteilte man ihnen die Erlaubnis, Schafe zu hüten.

Wie die Juden im Viertel Neustadt in Svartrau leben auch die Tataren heute größtenteils an einem Ort: im Dorf Tantari. Und genau wie bei den Juden bezweifle ich, dass das ganz freiwillig geschieht. Unsere Welt ist für niemanden gerecht, aber für manche ist sie besonders hart.

Burg Greifberg

Wenn man die Burg Greifberg so ansieht, könnte man glauben, dass sie schon seit Jahrhunderten über Svartrau thront. In Wahrheit wurde sie aber erst vor 13 Jahren erbaut. Zuvor stand dort nur eine kleine, bescheidenere Festung, größtenteils aus Holz, mit ein paar steinernen Verstärkungen an den wichtigsten Stellen.

Ich habe gehört, dass Fürst Skender schon lange von einer „richtigen“ Burg geträumt hatte. Er begann mit dem Bau gleich nach seiner Machtergreifung. Und nach dem berüchtigten Neuntöterbruch-Massaker im Jahr 1333 trieb er die Arbeiten noch verbissener voran. Vielleicht hatte er Angst, die Rebellen könnten erneut zuschlagen. Das taten sie allerdings nie, und drei Jahre später war die Errichtung der Burg vollendet.

Skender prahlte, diese imposante Burg würde all seine Feinde fernhalten … doch ihre Mauern stellten für Brencis kein Hindernis dar. Er nahm die Burg ein, mitsamt ihren Kerkern, in denen er meine Familie einsperrte.

Anachora

Anachora

Seit Jahrtausenden stellen wir uns dieselbe Frage: Was geschieht nach dem Tod? Gibt es ein Jenseits? Für Vrakhiri gibt es eins, doch es ist kein Ort des Friedens. Es heißt Anachora.

Stirbt ein Vrakhir durch die Hand eines anderen, kann der Täter wählen. Er kann die Seele seines Opfers verschlingen und seinen Geist in sich tragen. Weigert er sich, bleibt die Seele in Anachora gefangen. Für immer.

Es gibt kein Entkommen. Kein Vergessen. Die verlorenen Seelen wandern endlos durch die verfluchten Ebenen, ständig beobachtet von etwas … einer namenlosen Präsenz, verborgen hinter undurchdringlichen Wolken, deren Blick in die Seelen der Vrakhiri fährt wie rasiermesserscharfe Fänge durch Fleisch. Was ist es? Und was verlangt es?

Legenden

Sangora-Tal

Unsere Heimat, das Sangora-Tal, liegt abgeschieden in den Karpaten.

Soweit ich weiß, hat es eine bewegte Geschichte hinter sich; es wurde ständig erobert, verloren und weitergereicht. Mal gehörte es den Mährern, mal der Kiewer Rus, mal der serbischen Woiwodschaft. Es wurde von Ungarn, Mongolen und Tataren geplündert. In den Jahrzehnten vor Brencis stand es unter der Herrschaft der Familie Dragosti, die mit eiserner Faust regierte.

Heute, unter Brencis, ist das Sangora-Tal komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Mit zerstörten Brücken und blockierten Passwegen gibt es kaum noch ein Hinein oder Hinaus.

Magie

Vrakhiri mögen Kräfte haben, von denen Menschen nur träumen können, aber offenbar gibt es noch andere arkane Künste da draußen. Und Anca hat mir gezeigt, wie ich sie nutzen kann. Um einen Zauber zu wirken, muss man zuerst sein Zeichen in die eigene Haut ritzen und dann etwas Blut vergießen. Es fühlt sich falsch an, aber irgendwie auch … gut.

Und der Preis? Zum einen ist es verboten. In Gegenden, in denen die Inquisition herrscht, würde schon der Verdacht auf Hexerei oder das Tragen dieser Zeichen auf der Haut bedeuten, dass man im Kerker landet, wenn nicht Schlimmeres. Und außerdem: Wer weiß schon, woher diese Kräfte wirklich kommen und was wir in unsere Seelen einladen, wenn wir diese dunkle Kunst ausüben?

Aber ich habe keine Wahl. Wenn es mir hilft, Brencis zu besiegen, werde ich Magie dafür nutzen. Egal, was es kostet.

Blutbund

Seit er der Fürst des Sangora-Tals geworden ist, hat Brencis sämtliche Religionen verboten. Natürlich bis auf seine eigene, die er den Blutbund nennt. Sie ist jetzt die offizielle und vorgeschriebene Glaubensrichtung aller Bewohner des Tals.

Zwar hat Brencis sich nicht offen zum Gott erklärt, aber er versucht eindeutig, sich als Gottes Bote und obersten Jünger darzustellen. Er behauptet, nur er könne uns vor der Pest, fremden Einflüssen und allen künftigen Katastrophen schützen.

Der Bund verlangt, dass alle Untertanen Brencis mit ihrem Blut nähren. Im Gegenzug teilt Brencis sein eigenes Blut mit uns, das von allen Krankheiten heilt. Jeder muss die Blutmesse besuchen, und natürlich darf niemand den Fürsten kritisieren, denn das gilt als Blasphemie.

Das ist alles. Nur ein paar einfache Regeln, leicht zu merken. Aber sie haben unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt.

Karpaten

Die Karpaten sind ein mächtiges Gebirge, das sich in einem langen Bogen durch das Herz Europas zieht. Selbst im Sommer sind sie schwer zu überqueren. Und im Winter, wenn Schnee die Pässe verschließt, werden die Karpaten zu einer unüberwindbaren Mauer.

Ich vermute, genau deshalb hat Brencis das Sangora-Tal als sein Reich gewählt. Wenn es darum geht, Grenzen zu kontrollieren, gibt es kaum einen besseren Ort.

Silberminen

Das Sangora-Tal ist reich an Schätzen, einige davon liegen tief unter der Erde verborgen, zum Beispiel Silber. Dieses wertvolle Metall war der Grund, warum Menschen sich überhaupt in unserem abgelegenen Tal niederließen. Und dann wurde im Tal die Stadt Svartrau gegründet.

Über Jahrhunderte war das Sangora-Tal ein Land der Bergarbeiter, doch das änderte sich vor zwei Jahren. Da Silber zu den wenigen Stoffen gehört, die einen Vrakhir schwächen können, befahl Brencis, alle Minen zu schließen. Die Männer, die dort gearbeitet hatten, wurden zu Bauern. Und viele waren darüber nicht einmal unglücklich, denn es gibt kaum eine härtere Arbeit als die in einer Mine.

Trotzdem liegt das Silber immer noch im Boden und wartet darauf, gegen Brencis und seinen Kreis eingesetzt zu werden.

Kathedrale von Svartrau

Bis zur Errichtung der Burg Greifberg war die Kathedrale von Svartrau das beeindruckendste Bauwerk der Stadt. Sie ist dem Heiligen Mihai gewidmet.

Die Kathedrale steht genau da, wo einst die erste Kirche im Sangora-Tal errichtet wurde, gestiftet von Tobias, dem Schutzheiligen des Tals. Die Kathedrale ersetzte die alte Kirche vor fast zweihundert Jahren. Im Laufe der Zeit wurde sie immer wieder umgebaut und erweitert, sodass sie mit der wachsenden Stadt Schritt hielt.

Und dann, ein Jahr nachdem Brencis die Macht übernommen hatte, begann einer der Türme zu bröckeln. Niemand wusste warum. Er war weder vom Blitz getroffen worden noch durch Regen geschwächt. Natürlich erzählte man sich, es sei ein schlechtes Zeichen oder eine Strafe dafür, dass man die heiligen Bilder durch Brencis’ Antlitz ersetzen wollte.

Das bestärkte Brencis nur in seinem Entschluss, die Kathedrale für sich und seine neue Religion, den Blutbund, vollständig zu beanspruchen. Er besteht darauf, den Turm noch vor Wintereinbruch wieder aufzubauen, größer und stabiler als zuvor.

Schwarzer Tod

Die Pest, auch die „große Seuche“ genannt, brach vor zwei Jahren aus. Soweit wir wissen, wütet sie noch immer in weiten Teilen Europas.

Die Krankheit ist nicht nur tödlich, sondern bringt auch großes Leid über die Menschen. Zunächst bilden sich geschwollene Beulen in der Leiste oder unter den Achseln. Manche wachsen auf die Größe eines Apfels oder eines Eis heran. Wenn man sie öffnet, bluten sie. Von dort breitet sich die Krankheit im ganzen Körper aus. Nach einiger Zeit erscheinen schwarze Flecken, begleitet von Fieber und Erbrechen. Die meisten Infizierten sterben innerhalb weniger Tage.

Die Menschen versuchen alles, um sich nicht anzustecken. Einige bleiben zu Hause und sprechen mit niemandem. Andere strömen in die Kirchen, beten um Schutz und bitten um Vergebung für ihre Sünden. Manche von ihnen glauben, dass sie der Grund dafür sind, dass Gott uns mit dieser Seuche straft.

Doch es gibt ein Heilmittel: Das Blut der Vrakhiri kann Infizierte heilen und andere davor bewahren, sich anzustecken. So hat Brencis die Menschen im Sangora-Tal gerettet. Aber ich bezweifle, dass er vorhat, sein Blut außerhalb des Tals zu teilen.

Und so wütet die Pest weiter.

Goldenes Zeitalter

Die alten Geschichten behaupten, wir seien nur ein blasser Schatten einer vergangenen Zeit, einer Epoche, die man das Goldene Zeitalter nennt. Während wir heute darum kämpfen, überhaupt zu überleben, speisten die Helden von damals mit den Göttern. Sie gingen Ehen mit ihnen ein und hatten Kinder mit ihnen. Sie führten großartige Schlachten gegen Riesen und Dämonen, vielleicht sogar gegen uralte Vrakhiri, und sie bezwangen diese Kreaturen ohne jede Mühe.

Von dieser Welt ist allerdings kaum etwas übrig geblieben, nur einstürzende Ruinen alter Gräber und Tempel. Die wenigen Mutigen, die sich hinabwagen, hoffen auf Gold, Edelsteine und andere Schätze. Meistens jedoch finden sie nur den Tod und niemand sieht sie jemals wieder. Verlaufen sie sich in den uralten Labyrinthen oder lauert dort etwas anderes auf sie?

Arimaspii

Wir wissen nur wenig über die Völker, die vor uns im Sangora-Tal lebten. Anca sagt, man habe sie Arimaspii genannt und manche seien Nomaden gewesen, während andere Städte und Tempel gebaut hätten. Aber viel mehr wissen wir nicht.

Waren sie ähnlich wie die alten Griechen oder Römer, deren Schriften Anca mir zu lesen gab? Welche Götter verehrten sie? Legten sie Wert auf Frieden, was eher unwahrscheinlich klingt, oder führten sie ununterbrochen Kriege? Und welche Schätze ließen sie in ihren Gräbern, Mausoleen und Heiligtümern zurück?

Und dann stellt sich die noch größere Frage: Wenn es ihnen einst gut ging und nun verschwunden sind, kann uns dasselbe passieren?

Vrakhiri-Hof

Brencis regiert nicht allein. Ich weiß nicht, ob alle Vrakhiri so vorgehen, aber im Sangora-Tal haben sie einen Hof gebildet. Er besteht aus dem Fürsten selbst und seinen drei Bojaren: Bakir, Ambrus und Xanthe. Brencis hat nicht alle drei selbst erschaffen, aber sie alle gehorchen ihm. Könnten sie sich gegen ihn stellen? Könnten sie ihn töten? Oder könnte er sie töten? Ich habe keine Ahnung. Aber es ist offensichtlich, dass sie etwas verbindet.

Manumiten

Kurz nach Brencis’ Machtergreifung erzählte man sich, eine Gruppe habe sich gebildet, um ihn zu stürzen. Anfangs nannte man sie nur die Rebellen. Nach einigen Monaten aber tauchte ein neuer Name auf: die Manumiten.

Sie sollen einen Anführer haben, der Dohle genannt wird, doch seine wahre Identität ist ein streng gehütetes Geheimnis. Manche behaupten sogar, er existiere gar nicht.

Im Moment sind sie zu wenige und zu schwach, um Brencis offen entgegenzutreten. Stattdessen versuchen sie, ihm das Leben schwer zu machen. Sie zerstören Vorräte, greifen Konvois mit Gefangenen oder Blutlieferungen an und töten seine Soldaten, deren Ohren sie abschneiden und als Trophäen mitnehmen.

Europa im 14. Jahrhundert

Manche sagen, wir würden im Zeitalter des Untergangs leben.

Über fast ganz Europa wütet die Pest, eine unaufhaltsame und grausame Seuche, die ganze Städte und Dörfer auslöscht. Frankreich und England führen Krieg um den französischen Thron und scheinen bereit zu sein, den gesamten Kontinent in Flammen zu setzen, um ihren Willen durchzusetzen. Jeden Tag könnten die Mongolen oder die Türken aus dem Osten heranstürmen, mordend und plündernd. Nichts ist sicher, die Welt scheint auseinanderzufallen.

Doch selbst ohne all diese Schrecken wäre unser Leben alles andere als leicht. Wir arbeiten für unsere Herren, die uns aussaugen wie Blutegel. Den Großteil dessen, was wir erarbeiten, müssen wir ihnen geben und sie zeigen kaum Mitgefühl für unser Leid. Es spielt keine Rolle, wie klug oder fleißig wir sind. Wer als Bauer geboren wird, stirbt auch als Bauer.

In so einer Welt ist es keine große Überraschung, dass die neue Ordnung, die Brencis im Sangora-Tal eingeführt hat, wie ein Segen erscheint. Auch, wenn sie in Wahrheit nur eine geschickte Täuschung ist.

Gesetzlose

Die meisten Kriegschroniken, die ich gelesen habe, handeln von tapferen Rittern und ihren glorreichen Taten. Doch ich weiß, dass der Krieg in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Viele Schlachten werden von Söldnern geschlagen, die ihrem König oder Fürsten nur so lange treu bleiben, wie er sie bezahlt. Sobald das Geld ausbleibt, suchen sie nach einer neuen Gelegenheit. Oft finden sie aber nichts und werden zu Wegelagerern, die sich gegen genau jene Menschen wenden, die sie eigentlich schützen sollten. Sie plündern und verwüsten Dörfer, sie töten und bedrängen Bauern. Und sie sind viel schlimmer als gewöhnliche Unruhestifter, weil sie kampferfahren und abgestumpft von all den Schlachten sind. Es gibt Gegenden, in denen sie die eigentliche Macht innehaben und sowohl einfache Leute als auch Herrscher in Angst und Schrecken versetzen.

Blutwächter

Der größte Teil von Brencis’ Truppen sind normale Soldaten. Nicht so jedoch die Blutwächter. Sie sind stark, grausam und unermüdlich im Kampf. Selbst einen einzigen von ihnen zu besiegen, ist eine bemerkenswerte Leistung – und sie kämpfen selten allein.

Aber wie haben sie ihre Kräfte erlangt? Angeblich ist es Xanthes Werk. Ihre dunklen Rituale machten sie zu dem, was sie sind. Sie mögen einst Familien und Ambitionen gehabt haben, aber jetzt wollen sie nur noch eines: Brencis dienen. Und sie sterben lieber, als ihn im Stich zu lassen.

Brencis’ Armee

Brencis’ Truppen unterscheiden sich deutlich von denen anderer Herrscher. Da sind zuerst seine drei Vrakhiri-Gefolgsleute, Bakir, Ambrus und Xanthe, die jederzeit bereitstehen, an seiner Seite zu kämpfen. Außerdem kann der Fürst auf die Blutwächter zählen, die von Xanthe erschaffen wurden und ihm mit absoluter Treue dienen. Und dann gibt es noch die Uriashi, stark, gehorsam und oft begierig darauf, sich zu beweisen.

Aber der größte Teil des Heeres besteht aus gewöhnlichen Soldaten, die noch vor zwei Jahren Fürst Skender die Treue hielten. Ich wette, sie würden überhaupt nicht kämpfen, wenn sie nicht müssten. Trotzdem stehen sie zwischen mir und den Vrakhiri, und so sind sie, ob ich es will oder nicht, meine Feinde.

Vrakhiri-Blut

Vrakhiri-Blut mag genau wie unseres aussehen, aber es ist viel, viel mehr. Zum einen liegt darin ihre Macht begründet. Man sagt, wenn ein Vrakhir getötet und von einem anderen ausgesaugt wird, gehen die Fähigkeiten des Opfers auf den Mörder über.

Bei Menschen wirkt das Blut anders. Ein paar Tropfen mit Wein vermischt heilen jede Krankheit.

Trinkt man mehr als das, wird man noch stärker. So wurden die Blutwächter, Brencis' Elitetruppe, erschaffen. Man glaubt, dass sie regelmäßig Xanthes Blut verabreicht bekommen und davon abhängig werden.

Dies geschieht auch bei anderen, die zu viel Vrakhiri-Blut getrunken haben. Sie entwickeln einen unstillbaren Durst danach – bis sie an nichts anderes mehr denken können und sie den Verstand verlieren. Das mag wie ein schreckliches Schicksal klingen, aber die Straßen von Svartrau sind voll von Suchtkranken, die bereit sind, dieses Risiko einzugehen.

Dämmerblut

Was bedeutet es eigentlich, ein Dämmerblut zu sein?

Ein Dämmerblut trägt den Reißzahn eines Vrakhirs in seinem Herzen und teilt einige der Kräfte seines Schöpfers, aber er verwandelt sich nie vollständig. Tagsüber scheint alles wie zuvor zu sein, als wäre nichts geschehen – man könnte die Verwandlung glatt vergessen …

Doch dann, in der Nacht, setzt der Hunger ein. Die tollwütige Bestie will ihren Durst stillen … Ein namenloser Gott verlangt ein Blutopfer …

Wird mich das irgendwann töten? Mich den Verstand verlieren lassen, vergessen lassen, wer ich war? Bin ich verdammt? Gibt es keine Rettung mehr für mich?

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