Die Weisheit der Sümpfe

Buch · 230 Wörter · Wisdom of the Mire

Man sagt, er habe in einer Höhle im Sumpf gehaust. Die Gutmütigen verglichen ihn mit einer Eidechse, andere mit einer Made oder einem Frosch. Sein Haar, so hieß es, sei von Moos überwuchert, seine Kleider verfault. Doch niemand hatte ihn je mit eigenen Augen gesehen.

Nur in den schwärzesten wolkenverhangenen Nächten kam er hervor, um durch das Moor zu wandern und die Gesellschaft jener Narren zu suchen, die töricht genug waren, es ihm gleichzutun. Und trug ein Narr ein Geschenk bei sich, so tauschte der Fremde es gegen Weisheit ein. Er hatte Jahrhunderte der Welt und Jahrhunderte der Menschen gesehen. Er verstand, was anderen unsinnig erschien; er besaß die Einsicht, selbst die Klügsten zu täuschen.

Eines Nachts beschloss ein junger Bauer, den Fremden zu suchen und um seine Hilfe zu bitten. Ein neuer Herr hatte das Land übernommen und ihn samt seiner Familie verbannt, fortgeschickt noch vor Ablauf des Monats.

Der Bauer brachte die süßeste aller Gaben dar: sein eigenes Blut. Im Gegenzug erhielt er genug Weisheit, um den neuen Herrn zum Narren zu machen und an dessen Stelle zu treten.

Obgleich er nie so klug oder weise war wie der Fremde selbst, verstand er doch zwei Dinge:

Dies war ein Verbündeter, den er halten musste.

Zudem: Die Mächtigen zahlen keinen Zehnt. Das Blut anderer schmeckt ebenso süß.

So zahlten sie. Und er herrschte, bis ihn das hohe Alter holte.

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