
Syanna
Blood and Wine 9 Quests ↓
Aus dem Journal
Voller schwesterlicher Liebe und Zuneigung trauerte Anna Henrietta viele Jahre um Syanna, die schließlich für vermisst und mutmaßlich tot erklärt wurde. Als ihre Schwester dann jedoch wieder auftauchte, war das Wiedersehen nicht gerade von familiärer Freude geprägt. Syanna verachtete Anna Henrietta und wollte kein Wort mit ihr wechseln.
Ihre Weigerung lag vermutlich darin begründet, dass Syanna nur kurz zuvor als Mörderin entlarvt worden war ...
Obgleich die Untersuchung nahezu alle wichtigen Einzelheiten der mysteriösen Morde ans Licht gebracht hatte - Geralt kannte jetzt Sinn, Methode und Täter und hatte sogar ihre Fortführung verhindert -, verstand er nach wie vor nicht ganz, warum dieser Plan überhaupt geschmiedet worden war. Doch dieses letzte Puzzlestück hatte er schnell gefunden. Syanna versteckte es nicht. Es war ihr einfaches Bedürfnis nach Rache an jenen, die sie ins Exil gezwungen hatten. Rache ist eines der ältesten Motive der Welt und hat den Menschen im Laufe der Geschichte eine Menge Unheil und nur wenig Segen beschert. Und Syanna brachte ihre Rache in eine Zelle im Herzogspalast.
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Doch es gab etwas, das Geralt auch weiterhin beschäftigte, ein winziges Detail, das ihn die ganze Zeit beschäftigte wie ein Kiesel im Schuh. Syanna hatte einen Plan gehabt, einen ausgeklügelten, bis ins Letzte ausgeheckten Plan ... Aber wenn dem wirklich so war, wie sollte er enden? Doch als der Hexer die Antwort schließlich wusste, war es bereits zu spät. Als die beiden Schwestern sich scheinbar versöhnend umarmten, tötete Syanna Anna Henrietta - den letzten Menschen, den sie für ihr Exil verantwortlich machte. Und nur wenige Augenblicke später starb sie selbst durch den Hauptmann der Herzogswache.
Obgleich Syanna gezeigt hatte, dass sie ihren Feinden gegenüber gnadenlos sein konnte, tat sie dem Hexer auf gewisse Weise leid. Vielleicht, weil auch er sein ganzes Leben lang als Sonderling behandelt worden war, oder vielleicht weil er einfach ein Herz aus Gold besaß - obwohl er das niemals zugeben würde. Was auch immer der Grund sein mochte, Geralt entschloss sich, Syanna in ihrer Zelle aufzusuchen, wo sie ihm offenbarte, dass ihr Plan einen letzten Höhepunkt hatte: den Mord an Anna Henrietta.
Glücklicherweise konnte Geralt sie zur Vernunft bringen und so war sie schließlich bereit, geduldig auf ihre Verurteilung zu warten. Sie kannte ihre Schwester gut und konnte sicher sein, dass Anarietta niemals zulassen würde, dass man ihr etwas antat.
Geralts Reise ins Land der Tausend Märchen trug mehr Früchte, als er erwartet hatte. Seine Gespräche mit Syanna brachten Licht hinter so manche Frage: Sie machte keinen Hehl daraus, dass ihr ausgeklügeltes Mordkomplott ihren Wunsch nach Rache an den Menschen erfüllen sollte, die sie ins Exil gezwungen hatten. Rache gehört zu den ältesten Motiven der Welt und hat den Menschen viel Unheil und nur wenig Segen gebracht. Syanna wollte dazu einem höheren Vampir gegenübertreten, der vieles zugleich war: ein Meuchelmörder, ein Liebhaber und, so schien es, ein Mann, der sie noch immer sehr liebte ...
Als Geralt Syanna mit zu Dettlaff nahm, hätte er niemals erwartet, dass diese Geschichte ein solches Ende finden würde. Obgleich seit ihrem letzten Treffen einige Tage vergangen waren, war es Dettlaff nicht gelungen, seinen Zorn zu bändigen, den er Syanna gegenüber empfand. Er stürzte sich auf sie, und hätte Syanna nicht ihr Zauberband getragen, das sie und Geralt im Land der Tausend Märchen erstanden hatten, hätte der Vampir sie binnen eines Wimpernschlags in Stücke gerissen. Doch das Band war geschaffen worden, um die herzoglichen Schwestern an einen sicheren Ort zu bringen, sobald sie in Gefahr waren - und welcher Ort könnte sicherer sein als der am besten geschützte Teil des Familienpalasts? So entkam Syanna Dettlaffs Klauen und landete mitten im Palastverlies.
Was kann schon schiefgehen, wenn ein alter Vampir die Frau trifft, die seine bedingungslose Liebe ausnutzte, um ihn dazu zu bringen, eine ganze Reihe von Morden zu begehen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass Geralt nicht über diese Frage nachgedacht hatte, bevor er Syanna zu dem Treffen mit Dettlaff brachte. Ich nehme an, er ging davon aus, dass die Liebe stärker war als der verletzte Stolz des Vampirs. Wenn er mich gefragt hätte, dann hätte ich ihm wohl gesagt, dass es hier in keiner Weise um Stolz ging. Dettlaff hatte schlicht erkannt, dass es die Frau, die er auf einen so hohen Sockel gestellt hatte, überhaupt nicht gab. An ihre Stelle war eine ebenso jämmerliche wie gemeine Intrigantin getreten, der er ohne zu zögern den Garaus machte.
Sylvia Anna ... ein wunderschöner Name, nicht wahr? Doch das ist keine Überraschung, denn so heißt die Tochter eines Herzogs und die Schwester einer Herzogin. Nur war das Schicksal Syannas, wie sie ihre Liebsten nannten, nicht so schön, wie man von einem so wohlgeborenen Mädchen vermutet hätte - obgleich, wie sich herausstellte, sie in Wahrheit eher zu einer Unzeit geboren wurde. Sie kam während einer Sonnenfinsternis zur Welt und fiel daher der Hysterie zum Opfer, die rund um den Fluch der Schwarzen Sonne herrschte. Dieser sollte angeblich kleine Mädchen aus Herrscherfamilien befallen, die unter ähnlichen Umständen geboren wurden. Obwohl Geralt ernste Zweifel daran hegte, dass dieser Fluch wahrhaftig existierte, behaupteten viele, dass er grauenhafte Mutationen hervorrief, die seine Träger mit Grausamkeit erfüllte - und mit dem Wunsch, zu töten.
Syannas Eltern gehörten scheinbar eindeutig zu jenen, die an die Wirkung dieses Fluchs glaubten, denn sie hielten sie für zu gefährlich, um am Hof zu bleiben, und zwangen sie dazu, ins Exil zu gehen. Und so floh Syanna nach Nazair und war schon nach kurzer Zeit wie vom Erdboden verschluckt.