Bericht zur Fahnenflucht

Brief / Notiz · 216 Wörter · Report on Desertions

Wie befohlen habe ich hier das Wichtigste zur Fahnenflucht in der Truppe zusammengetragen. Insgesamt haben sechzehn Männer ihren Posten ohne ausdrückliche Genehmigung ihres Vorgesetzten verlassen. Zehn von ihnen wurden nie gefunden.

Von den übrigen sechs wurden drei in Zivilkleidung und dem Zustand völliger Trunkenheit in Tavernen aufgegriffen (und entsprechend bestraft), zwei sind mutmaßlich zur Gegenseite übergelaufen und haben sich den Manumiten angeschlossen. Der letzte Fall, der eines gewissen Klaus (der sich selbst „der Tapfere“ nannte), ist höchst ungewöhnlich und bedarf einer ausführlicheren Schilderung.

Klaus wurde trotz großer Bedenken hinsichtlich seiner geistigen Eignung in unseren Reihen aufgenommen. Er wurde letztendlich mit niedersten Aufgaben wie dem Küchen- und Latrinendienst betraut. Kurze Zeit später verschwand er ohne jede Spur. Sein Vorgesetzter nahm an, er habe sich weiteren unbequemen Tätigkeiten entziehen wollen. Allerdings wurde einige Zeit später durch Zufall in einer der Latrinen seine Leiche gefunden. Allem Anschein nach hatte er seine Aufgabe zu ernst genommen und den (zugegeben stark verschmutzten) Sitz mit derartigem Enthusiasmus geschrubbt, dass er vornüber gekippt und im Unrat ertrunken war. Sein Name wurde von der Liste der Deserteure gestrichen und seine Angehörigen benachrichtigt. (Die schmutzigen Einzelheiten haben wir dabei allerdings ausgelassen.) Wenn ich mir diesen Scherz erlauben darf, war er am Ende also in der Tat untergetaucht, jedoch anders, als wir es uns ausgemalt hatten.

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