Brief an Bruder Albertus

Brief / Notiz · 212 Wörter · Letter to Brother Albertus

Lieber Bruder im Glauben,

ich hoffe, du bist wohlauf. Meiner Gemeinde in Laslea geht es gut, danke der Nachfrage. Wir hören zwar, dass jenseits der Berge die Pest um sich greift, doch beten zu Gott, dass sie unser Tal nie erreichen möge.

Wie gehen deine Arbeiten an den Chroniken des Tals voran? Ich freue mich schon, sie eines Tages einmal in Händen halten zu können. Der Band wird sicherlich Vielen eine erkleckliche Lektüre sein.

Du hast mich gefragt, ob ich etwas über die Sächsische Revolte von 1324 weiß. Leider kann ich dir nicht viel dazu sagen. Es gibt in meiner Gemeinde eine Frau namens Esme, die jene Geschehnisse als Kind miterlebt hat. Sie hat jedoch ihre Stimme verloren. Ich fürchte daher, dass du von ihr nichts mehr erfahren wirst.

Was ich von ihrer Geschichte weiß – das heißt, was sie mir in besseren Tagen in der Beichte berichtet hat – würde dich wahrscheinlich im Glauben erschüttern. Zumindest auf mich hatte es ebendiese Wirkung. Zuerst konnte ich überhaupt nicht mehr beten. Später flehte ich den Herrn an, dass der Tag des Jüngsten Gerichts bald kommen und dieser grausamen Welt und uns allen, die in ihr leben, ein Ende machen möge. Vielleicht ist es also besser so, wenn ihr Zeugnis niemals verschriftlicht wird.

Adalbert

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