
Damien de la Tour
Blood and Wine
Aus dem Journal
Zu den Personen, die Geralt am Hof von Beauclair kennenlernte, gehörte auch Damien de la Tour, Hauptmann der Herzogswache. Er war der Herzogin absolut und bedingungslos ("gedankenlos" wäre vielleicht ungerecht, doch nicht ganz abwegig) ergeben und betete den Boden an, über den sie gewandelt war. Meiner unmaßgeblichen persönlichen Meinung nach, war er ihr mit Haut und Haar verfallen.
Er benahm sich wie ein typischer Soldat, wie ein dickschädeliger Lakai, der bei Geralts Anblick nichts Wichtigeres zu tun hatte, als den Hexer zum Vergleich gewisser Körperteile zu fordern. Geralt nahm die Herausforderung gelassen an und hatte sich flugs einen weiteren Feind gemacht.
Nachdem Damien Seite an Seite mit dem Weißen Wolf gekämpft hatte, sah er ein, dass der Hexer ein anständiger Kerl war, der nur helfen wollte. Man könnte fast sagen, sie schüttelten sich die Hände und vertrugen sich. Im Herzen jedenfalls.
Schließlich geschah das zuvor Unvorstellbare. Hauptmann Damien de la Tour hörte auf, den Weißen Wolf zu beargwöhnen wie einen Fuchs vor dem Hühnerstall. Dazu hatte Geralt Beauclair lediglich vor den Angriffen des Biests retten müssen. Danach wurden die beiden Freunde ... auf ihre ruppige männliche Art.
Als Anna Henrietta heimtückisch von ihrer eigenen Schwester ermordet worden war, gab Damien sich selbst die Schuld daran und wollte sich als Ehrenmann in sein Schwert stürzen. Allein das Bewusstsein, dass seine allergnädigste Herrin dies niemals gutgeheißen hätte, hielt ihn davon ab. Damien verbrachte viele Jahre in tiefer Trauer und in Grübeleien, wie die tragischen Ereignisse ihren Lauf hatten nehmen können und wer dafür verantwortlich war. So war nicht nur die Herzogin gestorben, sondern auch alle Chancen auf eine Freundschaft zwischen ihm und Geralt von Riva.
Nach dem Tode Syannas verfiel Damien in tiefe Trauer, denn er nahm alles, was seiner Herzogin Kummer machte, überaus persönlich. Er war nicht nur ihre rechte Hand, sondern auch ihr enger Gefährte und ihr mitfühlendes Ohr. Mit seinen Gefühlen ging er nach rauer Soldatenart um und wahrte alle Regeln des Anstands, sodass er während der Trauer davon absah, jemandem die Schuld zu geben (auch wenn ihm zufolge diese Schuld ausschließlich bei einem gewissen Hexer aus Riva zu suchen war ...).