Hinter dem Schleier

Buch · 166 Wörter · Beyond the Veil

Was wir sehen, ist nicht das, was wirklich ist. Unser Geist vermag das Universum in seiner schrecklichen Komplexität und grenzenlosen Weite nicht zu fassen; täte er es, so würden wir alle in Flammen vergehen, wie Semele, als Zeus ihr seine wahre Gestalt offenbarte.

Alles, was wir sehen, berühren, riechen, ist nur eine Annäherung: begrenzt, vereinfacht. Weise Männer und Frauen aller Zeiten und Länder wussten dies. Das war es, was Platon meinte, als er von seiner Höhle sprach. Das ist es, was die Weisen des Industals „Maya“ nennen. Und es ist das, was die Heilige Hildegard beschrieb, als sie vom finsteren Feuer hinter einem dunklen Schleier sprach, vom Grauen der Stürme und Steine.

Doch was wirklich ist, lässt sich nicht in Worte fassen, denn Worte sind ebenso begrenzt wie unsere Sinne. Die Wahrheit kann nur erahnt werden, wenn beide verworfen sind. Doch seid gewarnt: Dies ist nichts für Zaghafte. Wer hofft, vor dem liebenden Gott zu stehen, wird stattdessen auf ewig schreien, aufgelöst im Entsetzen des Erkennens.

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