Notfälle auf Abruf
„Notfälle auf Abruf“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. Wie konnte das passieren? Wann und warum haben wir als Gesellschaft entschieden, dass das menschliche Leben eine Ware ist? Ein Luxusartikel. Meine Mutter starb mit 45 Jahren.
Text
Wie konnte das passieren? Wann und warum haben wir als Gesellschaft entschieden, dass das menschliche Leben eine Ware ist? Ein Luxusartikel.
Meine Mutter starb mit 45 Jahren. Sie hatte noch Jahrzehnte vor sich, als ihr Leben einfach von einer simplen Lungenentzündung beendet wurde. Hätte sie nur die billigste Trauma-Team-Versicherung gehabt, hätte man sie innerhalb einer Stunde gerettet. Aber sie konnte sich keine leisten. Meine Mutter starb fünf Monate vor ihrem Termin bei unserem Hausarzt ...
Das Konzept der privaten Gesundheitsversorgung ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Bereits im Jahr 2020 bestand weitgehende Einigkeit, dass 500 Eurodollar pro Monat ein fairer Preis für eine Trauma Team-Versicherung ist. Gesundheit war schon damals nichts, was man einfach erhielt, sondern etwas, das man sich verdienen musste. Das private System mag nicht perfekt sein, aber es gibt ja keine Alternative ... dachten wir.
BULLSHIT.
Überqueren wir doch einfach den Pazifik und werfen einen Blick auf die UdSSR, wo es ebenso hochspezialisiertes medizinisches Personal, nanochirurgische Präzisionsgeräte, spezielle Antikörper, intravenöse Sonden und Unzähliges mehr gibt. Notfall-Lufteinheiten mit modernen AVs, die mit Kryokammern ausgerüstet sind? Haben die auch. Wo also liegt der Unterschied? Darin, dass sie ihre Leute nicht auf den Straßen, in Läden und in ihrem Zuhause zum Sterben liegenlassen. Sie zwingen niemanden dazu, das eigene Leben bei Konzernern zu kaufen, als würde es denen gehören.
Ein gutes Gesundheitswesen ist keine unerreichbare Utopie. Es ist die REALITÄT.
Auf der anderen Seite steht Trauma Team, das seine Versicherten sowohl als potenzielle Patienten als auch potenzielle Verkaufsartikel betrachtet. Sie retten nur Leben, weil sie davon profitieren. Ein gerettetes Leben ist quasi ein wiederkehrender Kunde. Wobei natürlich der Tod eines Klienten ebenfalls Geld in die Kassen spült – zum Beispiel in Form von Organ- und Implantatweiterverkauf. Nur ist hier der Gewinn deutlich geringer. Ein Notfalldienst kann es sich nicht leisten, seinen Managern Gründe zu liefern, dessen Kunden für kurzfristige Überraschungsgewinne umzubringen.
Sicher werden Sie jetzt entgegnen, dass medizinisches Personal doch immer auch vom Hippokratischen Eid geleitet wird?
Ich bitte Sie ...
Meine Mutter starb mit 45 Jahren. Sie hatte noch Jahrzehnte vor sich, als ihr Leben einfach von einer simplen Lungenentzündung beendet wurde. Hätte sie nur die billigste Trauma-Team-Versicherung gehabt, hätte man sie innerhalb einer Stunde gerettet. Aber sie konnte sich keine leisten. Meine Mutter starb fünf Monate vor ihrem Termin bei unserem Hausarzt ...
Das Konzept der privaten Gesundheitsversorgung ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Bereits im Jahr 2020 bestand weitgehende Einigkeit, dass 500 Eurodollar pro Monat ein fairer Preis für eine Trauma Team-Versicherung ist. Gesundheit war schon damals nichts, was man einfach erhielt, sondern etwas, das man sich verdienen musste. Das private System mag nicht perfekt sein, aber es gibt ja keine Alternative ... dachten wir.
BULLSHIT.
Überqueren wir doch einfach den Pazifik und werfen einen Blick auf die UdSSR, wo es ebenso hochspezialisiertes medizinisches Personal, nanochirurgische Präzisionsgeräte, spezielle Antikörper, intravenöse Sonden und Unzähliges mehr gibt. Notfall-Lufteinheiten mit modernen AVs, die mit Kryokammern ausgerüstet sind? Haben die auch. Wo also liegt der Unterschied? Darin, dass sie ihre Leute nicht auf den Straßen, in Läden und in ihrem Zuhause zum Sterben liegenlassen. Sie zwingen niemanden dazu, das eigene Leben bei Konzernern zu kaufen, als würde es denen gehören.
Ein gutes Gesundheitswesen ist keine unerreichbare Utopie. Es ist die REALITÄT.
Auf der anderen Seite steht Trauma Team, das seine Versicherten sowohl als potenzielle Patienten als auch potenzielle Verkaufsartikel betrachtet. Sie retten nur Leben, weil sie davon profitieren. Ein gerettetes Leben ist quasi ein wiederkehrender Kunde. Wobei natürlich der Tod eines Klienten ebenfalls Geld in die Kassen spült – zum Beispiel in Form von Organ- und Implantatweiterverkauf. Nur ist hier der Gewinn deutlich geringer. Ein Notfalldienst kann es sich nicht leisten, seinen Managern Gründe zu liefern, dessen Kunden für kurzfristige Überraschungsgewinne umzubringen.
Sicher werden Sie jetzt entgegnen, dass medizinisches Personal doch immer auch vom Hippokratischen Eid geleitet wird?
Ich bitte Sie ...
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