E-Mail

Kibble & Scop

„Kibble & Scop“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. Kibble starrte missmutig in sein Glas. Die Farbe des Drinks erinnerte ihn an Seegras. Ein Teil von ihm hoffte, der Barkeeper hätte ihm versehentlich Rattengift serviert.

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Kibble starrte missmutig in sein Glas. Die Farbe des Drinks erinnerte ihn an Seegras. Ein Teil von ihm hoffte, der Barkeeper hätte ihm versehentlich Rattengift serviert. „Ich versteh das nicht, Choomba …“, murmelte er niedergeschlagen. „In der Schule meinten sie, ich hätte echtes Schauspieltalent. War das denn alles eine Scheißlüge?“
„Alter, auf dieser Kugel leben Milliarden von Leuten“, sagte Scop achselzuckend. „Manchmal passt es eben nicht.“
Kibble schaltete seinen Geruchsbooster ein und schnupperte an seinem Drink. Er roch wie ein nasser Mopp im Bad – vielleicht schlimmer. Aus dem Nichts musste er plötzlich an die Söldnerin denken, mit der er vor einer Woche in einem belebten Punkclub geredet hatte. Na ja, vielleicht war „geredet“ ein wenig übertrieben. Eigentlich hatte er sie vor allem gegen sich aufgebracht. An dem Abend hatte sie den Boden mit ihm aufgewischt und ihm angedroht, dass sie ihm eine Kugel zwischen die Mandeln jagen würde, wenn er noch mal ihren Tequila verschüttet.
So läuft’s im Leben, dachte er. Es gibt nur Fusel und Tequila ... Arbeitslose Loser und stahlharte Söldner. Letzteren liegt die Welt zu Füßen, während Leute wie Kibble die unauffälligen Theaterrequisiten im Hintergrund spielen, um den Sandevistan-gepushten Söldnern dieser Welt eine Kulisse zu bieten, in der sie erstrahlen. In diesem Moment beschloss Kibble, dass er genug vom Leben im Hintergrund hatte.
„Wieso? Warum sollten wir es nicht auch können?“, fragte er mit säuerlicher Miene. „Wieso belohnt diese Stadt nur blutdurstige, waffenversessene Punks, während wir Normalos, die keine mörderischen Tendenzen zeigen, über unseren Gläsern mit billigem Fusel hocken, der aussieht wie Kakerlakenpisse?“
Scop zuckte die Achseln. „Keine Ahnung, dann kauf dir doch ’ne Waffe und ’ne tolle Jacke“, schlug er mit einem Hauch Sarkasmus in der Stimme vor. „Und dann ballerst du dich einfach durch eine Gangschießerei und hast die besten letzten viereinhalb Sekunden deines Lebens.“
„Was ist nur geschehen?“, schimpfte Kibble. „Die Welt ist wie umgekrempelt! Es gibt Milliarden von unserer Sorte. Milliarden von Faulpelzen und Feiglingen ... Nein, nicht Feiglinge – Leute, die einfach nur wollen, dass alles normal bleibt! Sicherheit. Leben ... Leben, Mann!“
Scop lag die nächste zynische Erwiderung bereits auf der Zunge, doch dann beschloss er, sich zurückzuhalten. „Leben ...“, wiederholte er langsam und nachdenklich. „Was, wenn man der Welt ... ein alternatives Leben verkaufen könnte? Eins, das all diese Edgerunner führen, nur dass man nicht daran stirbt.“
Kibble schnaubte belustigt und spuckte die Kakerlakenpisse wieder aus, die er soeben todesmutig probiert hatte. „Tut mir leid, wenn ich dir in die Scop-Suppe spucke, aber die Idee hatte schon jemand. Kennst du nicht Bloody Bout IV? Oder ... eine Million andere Videospiele?“
Scops Lippen kräuselten sich zu einem schelmischen Lächeln. „Sind denn dieses Bloody Bout IV oder deine Millionen anderen Videospiele so gemacht, dass sie auf einem Braindance-Hybridsystem laufen? So wie das, was ich letzte Woche entwickelt habe?“

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