„Im Schatten eines Apfelbaums“ von Virginia Granchester
„„Im Schatten eines Apfelbaums“ von Virginia Granchester“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. Meine erste Erinnerung ist kein Bild oder Geräusch, sondern ein Geruch. Der Geruch von verfaulten Äpfeln: durchdringend und überwältigend süßlich. Ich muss damals ungefähr vier gewesen sein.
Text
Meine erste Erinnerung ist kein Bild oder Geräusch, sondern ein Geruch. Der Geruch von verfaulten Äpfeln: durchdringend und überwältigend süßlich. Ich muss damals ungefähr vier gewesen sein. Wir verbrachten den Sommer bei meinen Großeltern. Hinter ihrem Haus hatten sie einen kleinen Obstgarten mit einem alten, riesigen Apfelbaum am Zaun. In diesem Jahr wuchsen so viele Äpfel daran, dass wir uns gar nicht mehr die Mühe machten, sie alle zu pflücken. Wir sahen einfach zu, wie sie zu Boden fielen und dort verfaulten.
Das kann man sich heute kaum noch vorstellen: eine Welt, in der Dinge einfach aus dem Boden wuchsen, ohne unser Zutun, ohne Biotechnik. In der ein Apfel etwas ganz Normales war, ein Obst, dessen Form und Geschmack jedes Kind kannte. In der ein ganz normaler Mensch wie mein Opa mehr Früchte im Garten hatte, als er überhaupt brauchte.
Manchmal denke ich zurück an diesen Obstgarten und diesen süßlichen, einschläfernden Geruch. Aber der Geschmack auf meiner Zunge ist dabei bitter.
Das kann man sich heute kaum noch vorstellen: eine Welt, in der Dinge einfach aus dem Boden wuchsen, ohne unser Zutun, ohne Biotechnik. In der ein Apfel etwas ganz Normales war, ein Obst, dessen Form und Geschmack jedes Kind kannte. In der ein ganz normaler Mensch wie mein Opa mehr Früchte im Garten hatte, als er überhaupt brauchte.
Manchmal denke ich zurück an diesen Obstgarten und diesen süßlichen, einschläfernden Geruch. Aber der Geschmack auf meiner Zunge ist dabei bitter.