„Sayonara Station“ von Luke Steelman
„„Sayonara Station“ von Luke Steelman“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. Einen Moment noch, bevor es losgeht: Hast du dich mal gefragt, wie dieses Buch in deinen Händen gelandet ist? Wo es hergekommen ist, wer es transportiert hat?
Text
Einen Moment noch, bevor es losgeht: Hast du dich mal gefragt, wie dieses Buch in deinen Händen gelandet ist? Wo es hergekommen ist, wer es transportiert hat?
Natürlich hast du das nicht – niemand stellt sich je solche Fragen. Was echt schade ist, weil die Antwort wirklich interessant ist. Ich würde sie sogar als verdammt faszinierend bezeichnen.
Vor nicht allzu langer Zeit wurden die meisten Waren übers Meer mit Frachtschiffen transportiert. Billig, schnell und (relativ) sicher. Aber im Vierten Konzernkrieg hatte irgendein Genie bei Arasaka eine Idee: automatische, selbstreplizierende Minen im Ozean zu verteilen, die von einer KI gesteuert wurden. Was könnte dabei schon schiefgehen? Extrem viel, wie sich bald herausstellte.
Die KI hatte eine einzige Aufgabe: die Zerstörung feindlicher Schiffe. Simpel, oder? NUSA/Militech-Schiffe sollten in die Luft gejagt werden, während Schiffe von Arasaka oder den Free States ungehindert vorbeifahren konnten. Das Problem war die unnachgiebige Logik der KI: Da es eine Chance von über Null gab, dass ein Schiff unter verbündeter Flagge auch Feinde an Bord hatte, musste es aus Optimierungsgründen ebenfalls versenkt werden. Als den Deppen im Arasaka-Hauptquartier klar wurde, was sie da angerichtet hatten, versuchten sie natürlich umgehend, die Software zu aktualisieren – doch das Update wurde von der KI als Virus angesehen. Und so, durch den kompletten Mangel an Vorstellungskraft und Vorausschau von einigen wenigen Individuen, nahm die Geschichte der Seefahrt ein jähes Ende.
Also zurück zur Frage: Wie ist dieses Buch zu dir gekommen? Falls du nicht in Chicago lebst, wo es veröffentlicht wurde, dann sicherlich nicht über das Net – das wurde ja von Bartmoss zerstört. Wurde es vielleicht per Flugzeug transportiert? Aber Luftfracht ist äußerst teuer, also ist das unwahrscheinlich. Per Lastwagen? Das wäre möglich. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass es per Zug in deine Stadt transportiert wurde.
Wirklich erstaunlich, dass ausgerechnet Züge bis in die Gegenwart überlebt haben. Allein letztes Jahr wurden 24.986 km neue Zuggleise in Betrieb genommen, darunter ein Tunnel, der Tokyo mit Shanghai verbindet. Mit Höchstgeschwindigkeit braucht ein gepanzerter Zug von der einen Stadt in die andere weniger als fünf Stunden! Das musste ich einfach selbst erleben. Zwei Tage später war ich also in Tokyo und stand auf einem Gleis an der Sayonara Station ...
Natürlich hast du das nicht – niemand stellt sich je solche Fragen. Was echt schade ist, weil die Antwort wirklich interessant ist. Ich würde sie sogar als verdammt faszinierend bezeichnen.
Vor nicht allzu langer Zeit wurden die meisten Waren übers Meer mit Frachtschiffen transportiert. Billig, schnell und (relativ) sicher. Aber im Vierten Konzernkrieg hatte irgendein Genie bei Arasaka eine Idee: automatische, selbstreplizierende Minen im Ozean zu verteilen, die von einer KI gesteuert wurden. Was könnte dabei schon schiefgehen? Extrem viel, wie sich bald herausstellte.
Die KI hatte eine einzige Aufgabe: die Zerstörung feindlicher Schiffe. Simpel, oder? NUSA/Militech-Schiffe sollten in die Luft gejagt werden, während Schiffe von Arasaka oder den Free States ungehindert vorbeifahren konnten. Das Problem war die unnachgiebige Logik der KI: Da es eine Chance von über Null gab, dass ein Schiff unter verbündeter Flagge auch Feinde an Bord hatte, musste es aus Optimierungsgründen ebenfalls versenkt werden. Als den Deppen im Arasaka-Hauptquartier klar wurde, was sie da angerichtet hatten, versuchten sie natürlich umgehend, die Software zu aktualisieren – doch das Update wurde von der KI als Virus angesehen. Und so, durch den kompletten Mangel an Vorstellungskraft und Vorausschau von einigen wenigen Individuen, nahm die Geschichte der Seefahrt ein jähes Ende.
Also zurück zur Frage: Wie ist dieses Buch zu dir gekommen? Falls du nicht in Chicago lebst, wo es veröffentlicht wurde, dann sicherlich nicht über das Net – das wurde ja von Bartmoss zerstört. Wurde es vielleicht per Flugzeug transportiert? Aber Luftfracht ist äußerst teuer, also ist das unwahrscheinlich. Per Lastwagen? Das wäre möglich. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass es per Zug in deine Stadt transportiert wurde.
Wirklich erstaunlich, dass ausgerechnet Züge bis in die Gegenwart überlebt haben. Allein letztes Jahr wurden 24.986 km neue Zuggleise in Betrieb genommen, darunter ein Tunnel, der Tokyo mit Shanghai verbindet. Mit Höchstgeschwindigkeit braucht ein gepanzerter Zug von der einen Stadt in die andere weniger als fünf Stunden! Das musste ich einfach selbst erleben. Zwei Tage später war ich also in Tokyo und stand auf einem Gleis an der Sayonara Station ...