Relive.it – Braindance Quarterly
„Relive.it – Braindance Quarterly“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. GASTVORWORT Braindance-Produzenten streben seit langem nach dem Gleichgewicht zwischen realen Erlebnissen und technologischer Erlebnisreinheit.
Text
GASTVORWORT
Braindance-Produzenten streben seit langem nach dem Gleichgewicht zwischen realen Erlebnissen und technologischer Erlebnisreinheit. Je mehr das Material bearbeitet wurde, desto abstrakter sind die möglichen Wege und desto klarer die Braindance-Aufnahme. Diese grundlegenden Design-Elemente inspirieren Braindance-Macher seit der Entstehung dieser Technologie, die Erlebniskommunikation zwischen Gehirnen ermöglichte. Im unermüdlichen Streben nach Ausgewogenheit kristallisierte sich jedoch im Laufe der Jahre eindeutig eine Vorliebe für Reinheit gegenüber dem Naturalismus heraus – inzwischen gilt sie sogar als Qualitätsmerkmal.
Doch haben wir im Wettlauf um die absolute Reinheit vergessen, worum es bei dieser Technologie ursprünglich ging? Könnte es womöglich passieren, dass wir eine Braindance-Aufnahme nach all dem Verarbeiten und Filtern nicht mehr von dem unterscheiden können, was wir aus Film, Fernsehen und Videospielen kennen? Nachdem ich einige der neuesten Titel aus meinem Feeder-Angebot gesehen habe, ist diese rein akademische Frage für mich zu einem echten Thema geworden.
Überlegen wir einmal, warum immer mehr Zuschauer auf dem Schwarzmarkt nach nicht-lizenzierten Titeln suchen (sogenannte „Black Braindances“, „Extreme Braindances“ oder auch „XBDs“). Können wir uns wirklich sicher sein, dass diese Leute nur auf den illegalen Inhalt aus sind? Oder lockt sie womöglich der „Restdreck“, den wir BD-Macher so eifrig zu entfernen suchen? Ablenkende Gedanken, irrelevante Erinnerungen, lockere Assoziationsketten, Gefühle, die über das gewünschte Spektrum hinausgehen ... Was, wenn dieser „Lärm“ gar nicht so überflüssig ist wie wir glauben? Was, wenn diese peripheren Erlebnisse das Potenzial besitzen, einen guten Braindance zu einem besonderen zu machen? Wir erweisen uns selbst einen schlechten Dienst, wenn wir diesen Fragen nicht nachgehen, bevor unser blinder Kreuzzug auf der Suche nach absoluter Reinheit diese Industrie geradewegs in die Mülltonne der Geschichte führt.
– J.A.
Relive.it – Das vierteljährliche Magazin für Braindance-Cutter, -Amateure und -Enthusiasten, Ausg. 4/78, Dezember 2076
Braindance-Produzenten streben seit langem nach dem Gleichgewicht zwischen realen Erlebnissen und technologischer Erlebnisreinheit. Je mehr das Material bearbeitet wurde, desto abstrakter sind die möglichen Wege und desto klarer die Braindance-Aufnahme. Diese grundlegenden Design-Elemente inspirieren Braindance-Macher seit der Entstehung dieser Technologie, die Erlebniskommunikation zwischen Gehirnen ermöglichte. Im unermüdlichen Streben nach Ausgewogenheit kristallisierte sich jedoch im Laufe der Jahre eindeutig eine Vorliebe für Reinheit gegenüber dem Naturalismus heraus – inzwischen gilt sie sogar als Qualitätsmerkmal.
Doch haben wir im Wettlauf um die absolute Reinheit vergessen, worum es bei dieser Technologie ursprünglich ging? Könnte es womöglich passieren, dass wir eine Braindance-Aufnahme nach all dem Verarbeiten und Filtern nicht mehr von dem unterscheiden können, was wir aus Film, Fernsehen und Videospielen kennen? Nachdem ich einige der neuesten Titel aus meinem Feeder-Angebot gesehen habe, ist diese rein akademische Frage für mich zu einem echten Thema geworden.
Überlegen wir einmal, warum immer mehr Zuschauer auf dem Schwarzmarkt nach nicht-lizenzierten Titeln suchen (sogenannte „Black Braindances“, „Extreme Braindances“ oder auch „XBDs“). Können wir uns wirklich sicher sein, dass diese Leute nur auf den illegalen Inhalt aus sind? Oder lockt sie womöglich der „Restdreck“, den wir BD-Macher so eifrig zu entfernen suchen? Ablenkende Gedanken, irrelevante Erinnerungen, lockere Assoziationsketten, Gefühle, die über das gewünschte Spektrum hinausgehen ... Was, wenn dieser „Lärm“ gar nicht so überflüssig ist wie wir glauben? Was, wenn diese peripheren Erlebnisse das Potenzial besitzen, einen guten Braindance zu einem besonderen zu machen? Wir erweisen uns selbst einen schlechten Dienst, wenn wir diesen Fragen nicht nachgehen, bevor unser blinder Kreuzzug auf der Suche nach absoluter Reinheit diese Industrie geradewegs in die Mülltonne der Geschichte führt.
– J.A.
Relive.it – Das vierteljährliche Magazin für Braindance-Cutter, -Amateure und -Enthusiasten, Ausg. 4/78, Dezember 2076