Mutant im Mondlicht
„Mutant im Mondlicht“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. Es war eine Nacht wie jede andere. Ein bedrückender schwarzer Smog hing über der Stadt und ergoss sich in die Lungen und Herzen der Verdammten, die in ihr lebten.
Text
Es war eine Nacht wie jede andere. Ein bedrückender schwarzer Smog hing über der Stadt und ergoss sich in die Lungen und Herzen der Verdammten, die in ihr lebten. Saurer Regen trommelte gegen tausende Fensterscheiben, die Silhouette der Stadt eine surreale Reihe aus Klaviertasten. Dreißig Jahre waren vergangen, und nichts hatte sich verändert. Ich stand am Fenster und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Immer wieder musste ich an die Frau denken, die ich seit Ende des Krieges nicht mehr gesehen hatte.
Es klopfte an der Tür. Genau wie damals ... Damals vor dreißig Jahren.
„Herein.“ Heiser quälte sich das Wort aus meiner Kehle, während ich mechanisch die Hand zur Wandtafel hob. Die Metalltür öffnete sich lautlos und gab den Blick auf eine schlanke, von einem enganliegenden tintenschwarzen Neomil-Kleid umschmeichelte Gestalt frei. Sie trat ein. Ihre goldüberzogenen Hüften schimmerten im Licht. Ihre Lippen waren von einem tiefen Ebenholzton, aber dieser Blick ... Ihre gelben Raubtieraugen bohrten sich in meine und musterten mich von Kopf bis Fuß. Einen kurzen Moment dachte ich, sie wolle mir die Seele aus dem Leib reißen. Dann kräuselten sich meine Lippen zu einem boshaften Lächeln. Mir war soeben eingefallen, dass meine Seele längst fort war. Ich hatte sie im Krieg zurückgelassen, genau wie die Blumen auf dem Grab meiner Schwiegermutter.
„Jemand will mich umlegen“, sagte sie unverblümt. Der aalglatte Charme ihrer Stimme vernebelte mir die Sinne. Ihre dritte Hand hatte ich nicht bemerkt – ein Fehler, der meinen Untergang besiegelte ...
„Unmöglich“, antwortete ich mit einem verwegenen Grinsen. „Wer würde eine Frau mit Hüften und Lippen wie Ihren töten wollen? Obendrein eine Konzern...dame?“
Für eine Sekunde verengte sich das undurchdringliche Gelb ihrer Augen. Unvermittelt holte sie ein Maschinengewehr hervor und zielte damit auf mich.
„Du verstehst nicht“, raunte sie, den Lauf der Waffe zielsicher auf einen Punkt zwischen meinen Augen ausgerichtet. „Dieser Jemand bist du. Erinnerst du dich denn an gar nichts ... Bruderherz?“
Erinnerungen durchzuckten meinen Verstand. Mein Kriegsalbtraum ... Euzebios Blut, ausgefranste Drähte, die zerschlissenen Überreste des Plüschtapirs, den sie nur zwei Tage vor ihrem Tod von Margaret bekommen hatte ... Dann die letzten Worte ihres Vaters. Worte, die von meiner Zwillingsschwester handelten – einer Mutantin, die nach ihrer Geburt sich selbst überlassen wurde. Und das Versprechen, dass ich sie finden würde.
Doch ich kam zu spät. Sie hatte mich zuerst gefunden.
Es klopfte an der Tür. Genau wie damals ... Damals vor dreißig Jahren.
„Herein.“ Heiser quälte sich das Wort aus meiner Kehle, während ich mechanisch die Hand zur Wandtafel hob. Die Metalltür öffnete sich lautlos und gab den Blick auf eine schlanke, von einem enganliegenden tintenschwarzen Neomil-Kleid umschmeichelte Gestalt frei. Sie trat ein. Ihre goldüberzogenen Hüften schimmerten im Licht. Ihre Lippen waren von einem tiefen Ebenholzton, aber dieser Blick ... Ihre gelben Raubtieraugen bohrten sich in meine und musterten mich von Kopf bis Fuß. Einen kurzen Moment dachte ich, sie wolle mir die Seele aus dem Leib reißen. Dann kräuselten sich meine Lippen zu einem boshaften Lächeln. Mir war soeben eingefallen, dass meine Seele längst fort war. Ich hatte sie im Krieg zurückgelassen, genau wie die Blumen auf dem Grab meiner Schwiegermutter.
„Jemand will mich umlegen“, sagte sie unverblümt. Der aalglatte Charme ihrer Stimme vernebelte mir die Sinne. Ihre dritte Hand hatte ich nicht bemerkt – ein Fehler, der meinen Untergang besiegelte ...
„Unmöglich“, antwortete ich mit einem verwegenen Grinsen. „Wer würde eine Frau mit Hüften und Lippen wie Ihren töten wollen? Obendrein eine Konzern...dame?“
Für eine Sekunde verengte sich das undurchdringliche Gelb ihrer Augen. Unvermittelt holte sie ein Maschinengewehr hervor und zielte damit auf mich.
„Du verstehst nicht“, raunte sie, den Lauf der Waffe zielsicher auf einen Punkt zwischen meinen Augen ausgerichtet. „Dieser Jemand bist du. Erinnerst du dich denn an gar nichts ... Bruderherz?“
Erinnerungen durchzuckten meinen Verstand. Mein Kriegsalbtraum ... Euzebios Blut, ausgefranste Drähte, die zerschlissenen Überreste des Plüschtapirs, den sie nur zwei Tage vor ihrem Tod von Margaret bekommen hatte ... Dann die letzten Worte ihres Vaters. Worte, die von meiner Zwillingsschwester handelten – einer Mutantin, die nach ihrer Geburt sich selbst überlassen wurde. Und das Versprechen, dass ich sie finden würde.
Doch ich kam zu spät. Sie hatte mich zuerst gefunden.