Krimizeit
„Krimizeit“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. McCrane scannte den Raum mit routiniertem Kiroshi-Blick. Diese Leiche war auch nicht anders als die Dutzenden, die er in all den Jahren gesehen hatte.
Text
McCrane scannte den Raum mit routiniertem Kiroshi-Blick. Diese Leiche war auch nicht anders als die Dutzenden, die er in all den Jahren gesehen hatte. Der Blick des Toten war in Angst erstarrt, seine Gelenkbänder und Eingeweide lagen verstreut am Boden – nichts davon beeindruckte McCrane. Diese Zeit war lange vorbei.
„Ich habe zu lange gelebt“, dachte er sich, „und Cops, die nicht schnell genug sterben, wechseln früher oder später auf die andere Seite.“
„Dieser Fall ist so klar wie die Brühe vom ‚Deputy Zhao‘“, murmelte er Junior Inspector Malinowski zu. „Cyberpsycho. Kam durchs Fenster. Das Opfer hat ihn reingelassen, sie haben sich wohl gekannt. Am Glas sind überall Fingerabdrücke.“
„Heilige Scheiße ...“ Malinowski schüttelte ungläubig den Kopf. „Wie ist der Wichser bis in den zwölften Stock gekommen?“
„Sehen Sie die Furchen am Fensterbrett? Von Kletter-Spikes. Die Kids von heute lassen sich solche Implantate einbauen, um idiotische Dachstunts durchzuziehen. Billiger Nervenkitzel.“
Malinowski trat zum Fenster, um die Beweise zu untersuchen, die sein Vorgesetzter so mühelos zu einem Bild zusammengefügt hatte. Der ältere Detective zündete sich eine Zigarette an und starrte der Leiche in die leblosen Augen. Obwohl McCrane diesen Mann noch nie zuvor gesehen hatte, kam es ihm plötzlich vor, als würde er ihn schon ewig kennen. Und dennoch ... empfand er nichts für ihn. Kein Bedauern, kein Mitleid. Der Mann war nur eine Leiche, kein Mensch mehr.
Plötzlich ertönte Malinowskis unsichere Stimme und riss McCrane aus seinen Gedanken. „Ähm ... Boss? Die Fingerabdrücke draußen am Fenster ... sind Ihre.“
McCrane stieß ein kleines Lachen hervor.
„Ich hab Sie nie für einen Witzbold gehalten, Malinowski“, grollte der Detective amüsiert und rollte die Ärmel hoch, um seine Handgelenke freizulegen. „Verraten Sie mir auch ... wie ich ohne Kletter-Spikes hier hochgekommen sein soll?“
Doch ehe der Juniorinspektor antworten konnte, verspürte McCrane plötzlich Unbehagen. Dieser Raum, dieser Mann, der Geruch seines Blutes ... Mit einem Mal überkam ihn der Wunsch, zum schlimm zugerichteten Opfer zu treten, um in dessen Tasche zu greifen.
Ein Foto. Sein eigenes Gesicht starrte ihm entgegen.
Malinowski zog langsam seine Pistole.
„Ich hab an Sie geglaubt“, murmelte der Jüngere erschüttert. „Die ganze Zeit habe ich zu ... einem Mörder aufgesehen.“
„Ich ... Ich verstehe das nicht“, flüsterte McCrane, kaum laut genug, um seine eigene Stimme zu hören.
Dann überkam etwas anderes seine Worte und sogar seine Gedanken – etwas eigenartig Urzeitliches. „Zum ersten Mal in meinem Leben ... verstehe ich nicht.“
Dann fiel ein Schuss.
„Ich habe zu lange gelebt“, dachte er sich, „und Cops, die nicht schnell genug sterben, wechseln früher oder später auf die andere Seite.“
„Dieser Fall ist so klar wie die Brühe vom ‚Deputy Zhao‘“, murmelte er Junior Inspector Malinowski zu. „Cyberpsycho. Kam durchs Fenster. Das Opfer hat ihn reingelassen, sie haben sich wohl gekannt. Am Glas sind überall Fingerabdrücke.“
„Heilige Scheiße ...“ Malinowski schüttelte ungläubig den Kopf. „Wie ist der Wichser bis in den zwölften Stock gekommen?“
„Sehen Sie die Furchen am Fensterbrett? Von Kletter-Spikes. Die Kids von heute lassen sich solche Implantate einbauen, um idiotische Dachstunts durchzuziehen. Billiger Nervenkitzel.“
Malinowski trat zum Fenster, um die Beweise zu untersuchen, die sein Vorgesetzter so mühelos zu einem Bild zusammengefügt hatte. Der ältere Detective zündete sich eine Zigarette an und starrte der Leiche in die leblosen Augen. Obwohl McCrane diesen Mann noch nie zuvor gesehen hatte, kam es ihm plötzlich vor, als würde er ihn schon ewig kennen. Und dennoch ... empfand er nichts für ihn. Kein Bedauern, kein Mitleid. Der Mann war nur eine Leiche, kein Mensch mehr.
Plötzlich ertönte Malinowskis unsichere Stimme und riss McCrane aus seinen Gedanken. „Ähm ... Boss? Die Fingerabdrücke draußen am Fenster ... sind Ihre.“
McCrane stieß ein kleines Lachen hervor.
„Ich hab Sie nie für einen Witzbold gehalten, Malinowski“, grollte der Detective amüsiert und rollte die Ärmel hoch, um seine Handgelenke freizulegen. „Verraten Sie mir auch ... wie ich ohne Kletter-Spikes hier hochgekommen sein soll?“
Doch ehe der Juniorinspektor antworten konnte, verspürte McCrane plötzlich Unbehagen. Dieser Raum, dieser Mann, der Geruch seines Blutes ... Mit einem Mal überkam ihn der Wunsch, zum schlimm zugerichteten Opfer zu treten, um in dessen Tasche zu greifen.
Ein Foto. Sein eigenes Gesicht starrte ihm entgegen.
Malinowski zog langsam seine Pistole.
„Ich hab an Sie geglaubt“, murmelte der Jüngere erschüttert. „Die ganze Zeit habe ich zu ... einem Mörder aufgesehen.“
„Ich ... Ich verstehe das nicht“, flüsterte McCrane, kaum laut genug, um seine eigene Stimme zu hören.
Dann überkam etwas anderes seine Worte und sogar seine Gedanken – etwas eigenartig Urzeitliches. „Zum ersten Mal in meinem Leben ... verstehe ich nicht.“
Dann fiel ein Schuss.