E-Mail

Der ewige Krieg: J. E. Davidsons letztes Geständnis

„Der ewige Krieg: J. E. Davidsons letztes Geständnis“ – E-Mail aus Cyberpunk 2077. (...) der AV fliegt noch ein wenig tiefer. So tief, dass ich jedes Detail der Transportfahrzeuge erkennen kann, die über die weiten Ebenen von Arizona rumpeln.

Text

(...) der AV fliegt noch ein wenig tiefer. So tief, dass ich jedes Detail der Transportfahrzeuge erkennen kann, die über die weiten Ebenen von Arizona rumpeln. Wir landen hinter den feindlichen Linien, als uns eine Staubwolke kurz Deckung liefert. Wir kriechen bis hin zur NUSA-Position, so nah dran, dass wir ihren Schweiß riechen können. Als das Signal kommt ... Showtime.

Ich erledige ein paar Typen bei ihrem Humvee. Sie greifen nach ihren Waffen – zu spät. Ich baller mein ganzes Magazin auf sie, bis von ihnen nur noch eine große, rauchende Blutlache übrig ist. Fängt schon mal gut an. Ich lade nach. Als ich mich gerade umdrehe, sehe ich eine Ajax-Mündung, die direkt auf mich zeigt.

Vor mir steht ein halbes Kind. Ein verficktes Kind mit einer Waffe in der Hand. Dürr und schmal mit zu langen Locken, die er unter seinen Helm geschoben hat und die bestimmt nicht den Vorschriften entsprechen. Meine Chancen sehen schlecht aus, aber man lebt nur einmal. Ich schmeiße meinen Synapsenbeschleuniger an und hebe mein Gewehr. Nicht schnell genug.

Ich werde dreimal getroffen: Bein, Lunge, Schlüsselbein. Die vierte Kugel reißt mir fast den Kopf von den Schultern und wirft mich zurück wie eine Puppe. Ich stolpere hinab in die Dunkelheit.

Mein eigener Schrei reißt mich fast aus meinem Stuhl. Instinktiv greife ich nach den Titaniumfäden, die meinen Kopf zusammenhalten. Der Barkeeper starrt mich kurz an, blinzelt und wischt dann weiter den Tresen sauber. Ich beruhige mich wieder. Ich bin genau da, wo ich sein soll, in einer verrauchten Kneipe am Rand von Night City. Wieder dieser verfickte Traum. Aber Arizona ist weit, weit weg. Kein Wunder, dass ich hier einfach eingepennt bin.

Ich schau auf die Uhr. In fünfzehn Minuten kommt der Bus. Ich kippe mir den Rest meines schäumenden Biers rein, schnapp mir meine Jacke und geh raus.

Neonschilder leuchten blendend hell vor dem bewölkten Nachthimmel auf. Irgendwo an der Ecke motzt ein Taxifahrer einen Konzerner an, der ihm die Sitze vollgekotzt hat. Gangster werfen sich auf einem schlecht beleuchteten Platz einen Ball zu. Ich bleib an der Haltestelle stehen und warte.

Der Bus kommt pünktlich. Touristen strömen auf den Bürgersteig. Er ist auch dabei. Ein junger Typ, genauso unauffällig wie früher. Er rückt seinen Rucksack zurecht, kratzt sich unter seinen Locken, hält einen Stadtführer in der anderen Hand.

Ich lecke mir über die Lippen und fasse das Messer in meiner Tasche an. Als er losgeht, bin ich direkt hinter ihm. Durch die Gassen und Straßen, Schritt für Schritt, immer ein wenig näher.

Aus manchen Kriegen kehrt man nie wieder zurück. Das erzähle ich mir. Oder sage ich es zu ihm? Ich bin mir nicht sicher. In diesem Moment weiß ich nur eins: Diese Nacht wird wild. (...)

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