Liebster Paps,
die Hochzeit ist vorbei. Es ist vollbracht. Es war nicht alles so, wie ich's mir als kleines Mädchen immer gewünscht habe, aber du hast mir beigebracht, das Beste aus dem zu machen, was ich habe. Wir sind nun auf Reisen, darum werde ich dir diesen Brief zusenden, sobald wir unser Ziel erreicht haben.
Ich fange mal mit dem an, was dir bestimmt am meisten auf der Seele brennt - die Finanzen. Wie du sicher schon bemerkt hast, sind aus deiner Geldkassette ein paar Kronen verschwunden, der Geschirrschrank ist nun ein paar Silberteller leichter und dein Schmuckkästchen ist nicht mehr ganz so voll wie zuletzt. Ich war es. Als meine Mitgift. Zweifellos weniger als du gegeben hättest, wenn ich mir einen "würdigen Partner" ausgesucht hätte, aber so spielt das Leben.
Kurt oder "dieser Taugenichts von einem bettelarmen Faulpelz", wie du ihn nennst, ist nunmehr mein Ehemann. Und die für dich so kostbare Unschuld deiner Tochter, die für dich stets wichtiger war als ihre Gefühle, Tränen oder Bitten, ist, wie soll ich's sagen, nur noch eine Erinnerung.
Wir haben unser Ziel bald erreicht. Natürlich werde ich den Teufel tun und dir schreiben, wo wir sind - falls du es dir in den Kopf setzen solltest, uns zu besuchen. Wo auch immer es ist, du sollst wissen, dass dein Silber ausreicht, um ein schönes Haus zu bauen. Das ist wichtig, denn ich erwarte ein Kind. Freust du dich? Ich bezweifle es. Du hast immer gesagt, arme Kerle zeugen nichts weiter als Köter und Halunken. Es ist also besser, wenn du diesen hier nicht zu sehen kriegst.
Dein kleines Mädchen,
- Jeanette