
Triss Merigold
Aus dem Journal
Ich habe es immer als besondere Ehre empfunden, Triss Merigold von Maribor zu meinen besten und liebsten Freunden zählen zu dürfen. Diese außerordentlich talentierte Zauberin war ein strahlender Stern in ihrem Berufsstand, die ehemalige Hofberaterin von König Foltest und die berühmte Heldin der Schlacht von Sodden, bekannt als die Vierzehnte des Berges. Trotzdem hatte sie mit ihren häufig hochmütigen magischen Schwestern nicht viel gemein. Mit ihrem flinken Verstand, ihrem warmen Lächeln und ihrem großen Charme konnte sie selbst die kühlsten Herzen für sich gewinnen. Obwohl meine Beziehung zu Triss rein brüderlicher Natur war, konnte Geralt von Riva ihrem Reiz einst nicht widerstehen. Seit diesem Zeitpunkt waren die beiden durch Gefühle verbunden, die weitaus tiefer gingen als die einer flüchtigen Liebelei.
Yennefer erzählte Geralt, dass Triss sich vor Kurzem in der freien Stadt Novigrad niedergelassen hatte.
Anscheinend versteckte sich Triss vor den sogenannten Hexenjägern, die in der Stadt alle verfolgten, die mit Magie zu tun hatten, und bat einen der dortigen Herrscher der Unterwelt um Schutz.
Nach einigem Suchen hatte Geralt die Zauberin gefunden, die tatsächlich mit dem sogenannten Bettlerkönig eine Abmachung getroffen hatte. Sie bezahlte für ihren Schutz, indem sie seiner Organisation magische Dienste erwies. Obwohl Triss nichts über Ciri und ihren Aufenthalt in Novigrad wusste, versprach sie alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Geralt bei der Suche nach ihr zu helfen.
Obwohl Triss und Geralt ihr Liebesabenteuer eigentlich vor einem halben Jahr beendet hatten, waren ihre Gefühle füreinander doch nicht so schnell abgeklungen. Um diese Situation zu meistern, tat die Zauberin so, als wäre nichts gewesen, und der Hexer verbarg seine Gefühle wie sonst auch hinter einer Mischung aus zögerlichem Interesse und vorgetäuschter Gleichgültigkeit. Allerdings bleibt festzuhalten, dass sich beide darin nicht besonders geschickt anstellten.
Der Plan, den Triss dem Hexer unterbreitete, um an Caleb Menge heranzukommen, war sehr riskant und brachte sie in große Gefahr. Die Zauberin wusste, dass Ciris Leben auf dem Spiel stehen könnte, und zögerte keine Sekunde.
Das Lachen der Zauberin, der Blick ihrer kornblumenblauen Augen, die Erinnerung an die zauberhaften gemeinsamen Augenblicke - all das spielte sicherlich eine Rolle bei Geralts Entscheidung, Triss im Garten der Vegelbuds zu küssen. Und obwohl dieser Moment des süßen Vergessens nur kurz währte, hauchte er den Gefühlen der beiden füreinander neues Leben ein.
Triss und Geralt waren gemeinsam durch dick und dünn gegangen, aber an jenem schicksalhaften Tag sagten sie sich auf den windigen Docks in Novigrad endgültig Lebewohl. Sie segelte nach Kovir und er blieb in Novigrad, wo ihm der beißende Rauch der brennenden Scheiterhaufen den Atem raubte.
Und doch sahen sich Geralt und Triss in Kaer Morhen wieder. Triss war auf Yennefers Bitte hin gekommen, um Ciri zu verteidigen, die sie immer als ihre jüngere Schwester betrachtet hatte.
Obwohl sich Triss und Geralt auf diesem windigen Dock in Novigrad endgültig voneinander verabschiedeten, segelte die Zauberin doch nicht nach Kovir. Sie wusste, dass Geralt, als er sie zum Bleiben aufforderte, ihr zum ersten Mal sein Herz öffnete.
Geralt und Triss trafen sich in Kaer Morhen wieder. Triss war auf die Bitte des Hexers hin gekommen, um Ciri zu verteidigen, die sie immer als ihre jüngere Schwester betrachtet hatte.
Nicht zum ersten Mal zeigte Geralt, wie ungeschickt er sich dem schönen Geschlecht gegenüber verhielt. Ich kann zwar aus Erfahrung berichten, dass es Frauen gibt, die einen Mann bereitwillig mit ihrer besten Freundin teilen. Doch wenn man dies von jemandem verlangt, dem man seine wahren Gefühle und unsterbliche Liebe gebeichtet hatte, stehen die Dinge meist anders. Geralts Spiel mit Triss' Gefühlen endete für ihn mit einer Demütigung, die er sich meiner Meinung nach redlich verdient hatte.