Priscilla

Priscilla

Aus dem Journal

Als Poet und Romantiker habe ich die körperlichen und geistigen Reize so mancher Dame in blumigen Versen verewigt. Doch wann immer ich versuche, Priscillas Lob zu singen, bleiben mir - so unglaublich es klingen mag - die Worte im Halse stecken. Alle geschmeidigen Wendungen wirken neben ihrer natürlichen Schönheit, ihrem Talent, ihrer Empfindsamkeit und ihrem Intellekt nur künstlich und hohl.

Priscilla oder Callonetta - unter diesem Künstlernamen hatte sie sich ihr erhebliches Ansehen erarbeitet - befand sich zu Beginn unserer Geschichte auf der letzten Station einer triumphalen Tournee, die sie an die luxuriösen Höfe von Lan Exeter und Pont Vanis, dann nach Dreiberg und Caelf und schließlich nach Novigrad geführt hatte.

Als er meine Callonetta gefunden hatte, bekam Geralt die Gelegenheit, ihre Schönheit und ihre vielen Talente aus nächster Nähe zu erleben, denn ihrer Kreativität entsprang das Theaterstück, das unseren flüchtigen Dopplerfreund Dudu aus seinem Versteck locken sollte.

Die Nachricht, dass Priscilla Opfer eines brutalen Angriffs geworden war, traf mich wie eine Steinlawine. Mir war unerklärlich, wie jemand einem so unschuldigen Geschöpf wie ihr etwas antun wollen könnte.

Priscilla war schrecklich verwundet aufgefunden worden, und ihr Leben hing am seidenen Faden. Wer ihr dies angetan hatte, verdiente es nicht, auch nur noch einen Moment länger zu leben.

Dem brillanten Chirurgen Joachim von Gratz gelang es in einem Wunder aus Kunst und Kenntnis, Priscilla zu retten. So konnte sie die lange, beschwerliche Reise zur Genesung antreten. Ich habe die Hoffnung, dass sie mit geeigneter medizinischer Betreuung die einst herrliche Textur ihrer Stimme zurückerlangen und ihr Gesang wieder zwischen Jaruga und Blauen Bergen erschallen wird. Außerdem hat mir das Erbeben meines Herzens beim Gedanken, sie zu verlieren, eines klargemacht: Sie ist die Liebe meines Lebens, dessen Rest ich mit ihr verbringen möchte.