
Avallac'h
Aus dem Journal
Das Wesen, welches in Umas gemarterter Hülle gefangen gehalten wurde, war ein mächtiger Wissender der Aen Elle namens Avallac'h. Geralt hatte schon vor Jahren die Freude gehabt, ihn kennenzulernen. Und schon damals hatte Avallac'h intensives, fast schon verstörendes Interesse am Älteren Blut und an dessen Trägerin Ciri gezeigt. Seine Motive waren unklar, und er hatte sich auch nicht sonderlich angestrengt, sie Geralt zu erklären.
Geralt hatte bis jetzt keine Ahnung, was Ciri und den Elfen verband. Avallac'h hatte Ciri zweifellos geholfen und sie mehrfach vor der Wilden Jagd gerettet - aber warum? Leider waren auch jetzt wieder keine Antworten auf die Fragen zu erwarten, die Geralt unter den Nägeln brannten, da der Wissende dem Tode nahe war. Allerdings brachte er die Kraft auf, eine wesentliche Information weiterzugeben: Ciris Aufenthaltsort.
Als Geralt dazu kam, mit Ciri über Avallac'h zu reden, erfuhr er, dass der Wissende sie eine Zeit lang als Mentor und Tutor unterwiesen hatte. Der gemeinsame Feind hatte sie geeint. Avallac'h war der Berater des vorigen Herrschers der Aen Elle gewesen und mit seinem Nachfolger in Konflikt geraten: Eredin. Er hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, Ciri um jeden Preis vor den bösartigen Plänen des neuen Königs zu schützen.
Ciri ließ keinen Zweifel daran, dass sie dem Wissenden vertraute, der ihr viele Male das Leben gerettet hatte. Zuletzt hatte er sie auf der Nebelinsel vor der Wilden Jagd verborgen, als er schon den Fluch spürte, der ihn zu Uma werden lassen sollte.
Avallac'h hatte bei der Verteidigung Kaer Morhens eine Schlüsselrolle gespielt. Nach der Schlacht informierte er den Hexer, dass ein endgültiger Sieg über Eredin und seine Geisterkavalkade nur mit magischer Hilfe möglich sein würde. Geralt würde also ein weiteres Mal mit den Mitgliedern der berüchtigten Zauberinnenloge paktieren müssen ...
In der Ruhe vor dem Sturm versuchte Avallac'h wieder, Ciri in der Kontrolle ihrer Macht zu unterweisen. Er fand bald heraus, dass Ciri so dickköpfig wie begabt war - Geralt war dieser Umstand schon länger bekannt.
Avallac'h nutzte seine Kenntnisse über die Politik der Aen Elle sowie über die Stärken und Schwächen der Kommandanten der Wilden Jagd, um einen Plan zur Eliminierung von Eredins mächtigstem Verbündeten zu schmieden: Ge'els, dem Meister der Manipulation.
Er war praktisch zu allem bereit, um dies zu erreichen - auch zu einer riskanten Reise nach Tir ná Lia.
Geralts Abstecher in Avallac'hs Labor bestätigte, dass der Wissende an Ciri und ihrem Stammbaum interessiert war.
Den Aufzeichnungen in seinem Geheimlabor zufolge war Avallac'h seit über zweihundert Jahren mit Forschungen am Gen der Lara Dorren beschäftigt. Die Elfen untersuchten die Möglichkeiten, ein Kind mit außergewöhnlichen Kräften zu schaffen - wie auch Ciri sie hatte.
Die Elfin in Avallac'hs Labor behauptete, dass das Interesse des Wissenden an Ciri rein pragmatisch war und er sie insgeheim wegen des Menschenbluts in ihren Adern verachtete. Spielte Avallac'h tatsächlich ein so doppeltes Spiel? Oder verdrehte die mysteriöse Elfin einfach nur seine Worte, um Ciri zu verletzen?
Avallac'h war überraschend unbeeindruckt, als er erfuhr, dass Geralt und seine Gefährten das Geheimlabor besucht hatten. Er räumte offen ein, dass er an Laras Linie interessiert war und ihre Nachkommen beschützen wollte.
Als gemutmaßt wurde, ihm läge mehr daran, Laras Linie und ihre letzte Nachfahrin Ciri zu kontrollieren, wies der Wissende dies in kühler Kürze von sich.
Mit milder Erheiterung reagierte er hingegen auf die Erwähnung der Elfin in seinem Labor - als sei sie keiner ernsthaften Erklärung wert.
Der Hexer überdachte die Angelegenheit und entschied, dass man Avallac'h trauen konnte.
Avallac'h spielte in dem Kriegsrat eine aktive Rolle, der abgehalten wurde, bevor die Wilde Jagd in die Falle gelockt wurde. Es entbrannte ein kurzer, aber heftiger Streit zwischen Avallac'h und Ciri, als er darauf bestand, dass sie sich nicht direkt in den Kampf einmischen dürfe.
Eredins letzte Worte säten Zweifel in Geralts Herz, und das plötzliche Verschwinden von Ciri und Avallac'h legte sich wie eine eisige Hand um sein Herz. Alles deutete darauf hin, dass der Wissende die ganze Zeit ein heimliches Ziel verfolgt hatte: Er wollte das Tor zwischen den Welten öffnen.