
Anna Strenger
Aus dem Journal
Bei seinem Besuch in Krähenfels traf Geralt Anna Strenger nicht an, die Frau des Blutigen Barons. Sie war ebenso wie seine Tochter Tamara einige Zeit vor der Ankunft des Hexers unter unklaren Umständen verschwunden. Geralt erhielt jedoch eine ausführliche Beschreibung der Vermissten. Anna war eine gutaussehende Mittvierzigerin mit grünen Augen und rabenschwarzem Haar, das sie in einem straffen Knoten trug.
Der Hexer entdeckte, dass Annas Eheleben nicht so erfreulich verlaufen war, wie sie vielleicht gehofft hatte. Kürzlich erst war sie schwanger gewesen, hatte das Kind jedoch aus unklaren Gründen kurz vor ihrem Verschwinden verloren.
Als Geralt den Baron wegen dieser Angelegenheit zur Rede stellte, kam die hässliche Wahrheit ans Licht: Die verzweifelte, elende Anna war mit Tamara geflohen, nachdem ihr betrunkener Gatte sie übel verprügelt hatte. Der Baron glaubte, dass Annas Fehlgeburt seine Schuld gewesen war, aber Geralt hatte Zweifel. Ihm ging der seltsame Talisman gegen böse Mächte im Kopf herum, den Anna vom Waideler bekommen hatte.
Der Baron schüttete Geralt sein Herz aus und zeichnete ein klareres Bild des Strenger'schen Ehelebens. Während ihr Gatte militärische Kampagnen führte, suchte Anna Trost in den Armen eines Kindheitsfreundes. Als der Baron diese Wahrheit entdeckte, verfiel er in rasende Wut und tötete Annas Liebhaber. Dies vertiefte den Abgrund zwischen den Eheleuten begreiflicherweise noch weiter.
Bei seiner Suche nach Anna entdeckte Geralt zu seiner Verblüffung, dass sie und die grauhaarige Alte im Sumpf ein und dieselbe Person waren. Die Zeichen an ihren Händen waren offenbar Symbole eines mysteriösen Paktes, den sie mit den Muhmen geschlossen hatte.
Die Lage wurde noch verworrener, als der Hexer feststellte, dass Anna nach ihrer Flucht aus Krähenfels offenbar auch noch von einer riesigen Bestie gefangen und in die Finsternis verschleppt worden war. Zu allem Überfluss gab es Augenzeugenberichte von seltsamen glühenden Symbolen an ihren Händen, kurz vor diesem Überfall. Vielleicht hatte der Talisman des Waidelers Anna vor diesen Ereignissen schützen sollen?
Tamara vertiefte Geralts Kenntnisse über die beklagenswerte Situation der Mutter. Die Frauen waren zusammen geflohen, weil sie das trunkene Toben des Barons nicht mehr ertrugen. Anna hasste ihren Gatten so sehr, dass sie zu allem bereit war, um sich von ihm zu befreien - und auch von seinem Kind, das sie trug.
Geralt kombinierte die Fakten und erkannte, dass die alte Frau im Sumpf in Wirklichkeit Anna war, die vermisste Frau des Barons. Außerdem erfuhr er, dass die Symbole an ihren Händen von einem Pakt mit den Muhmen zeugten, den Anna geschlossen hatte, um das ungewollte Kind loszuwerden.
Schließlich fand man Anna. Die Ereignisse der letzten Zeit hatten ihr körperliches und geistiges Wohlergehen jedoch so stark beschädigt, dass sie nie wieder die alte sein würde. Ihr Verstand hatte unter dieser Last nachgegeben, und sie war in einen Abgrund voll Schrecken und Verzweiflung abgeglitten.
Anna wurde zuletzt zwar gefunden, doch sie war nicht mehr sie selbst. Ein schrecklicher Fluch hatte sie in ein Monster verwandelt. Der Hexer ahnte, wer ihr dieses Schicksal angetan hatte.
Der Verdacht des Hexers bestätigte sich kurz darauf. Der Fluch, der auf der Unglücklichen lastete, war tatsächlich das Werk der Muhmen. An diese grässlichen Schwestern hatte Anna sich gewendet, um das Kind des Barons nicht austragen zu müssen. Und die Muhmen hatten den Wunsch auf ihre kranke Art gewährt: mit einem Fluch, der nicht nur das Kind verkümmern ließ, sondern auch Annas Lebensenergie aufzehrte. In ihrer Verzweiflung hatte sie den Waideler aufgesucht, und dieser hatte ihr einen Talisman angefertigt, der den Einfluss der bösen Magie mildern sollte. Diesen Talisman hatte Anna beim Kampf gegen den Baron verloren. Sie war der Magie der Muhmen damit wehrlos ausgeliefert. So konnte es zum Schlimmsten kommen - die Zeichen an ihren Händen begannen zu brennen, und ein Unhold schleifte sie in die tiefsten Tiefen des Buckelsumpfs, wo sie als Sklavin der Muhmen ihre Schuld abtragen musste.
Geralt brach den bösen Zauber, unter dem Anna stand, und sie erlangte ihre wahre Gestalt zurück. Doch die Bosheit der Muhmen war stärker: Sie hatten dafür gesorgt, dass Anna sterben musste, sobald sie ihre Freiheit wiedererlangte. Annas Angehörige hatten nur zu einem kurzen Abschied Gelegenheit, ehe sie verschied.
Je nach Ausgang: … Doch die Bosheit der Muhmen war stärker: Sie hatten dafür gesorgt, dass Anna sterben musste, sobald sie ihre Freiheit wiedererlangte. Tamara und der Baron hatten nur zu einem kurzen Abschied Gelegenheit, ehe sie verschied.
Trotz aller Anstrengungen gelang es dem Hexer nicht, den Fluch zu brechen. Anna Strenger starb zum Entsetzen aller Anwesenden einen schrecklichen Tod, als der letzte Racheakt der Muhmen sie einäscherte.